Was ist Taekwon-Do

Korea – das Ursprungsland des Taekwon-Do

Als “Gründer” des Taekwon-Do gilt General Choi Hong-Hi. Während der japanischen Besetzung Koreas ging Choi als junger Mann nach Japan und erlernte dort zunächst Shotokan Karate.Als er nach Korea zurückkehrt und die Besetzung Japans endete, stieg er schnell im neu gegründeten Militär Koreas in der Hierarchie auf und lehrte den Soldaten seiner Kompanie eine Selbstverteidigungskunst. Dabei war er bestrebt, diese vom Karate loszulösen und eine koreanische Variante zu erschaffen.
Um die verschiedenen Kampfkunstschulen in Korea zu einen, wurde der von Choi Hong-Hi vorgeschlagene Name Taekwon-Do (Tae= Fuß/Fußtechnik, Kwon= Faust/Fausttechnik, Do= Geistiger Weg) angenommen. Im Kukkiwon in Seuol erinnert daran ein Schriftzug: Kukki Taekwondo = Taekwon-do ist Staatssache
Fortan wurde die koreanische Kunst der Selbstverteidigung unter dem Namen Taekwon-Do in der ganzen Welt verbreitet.

Verbreitung in Deutschland

Großmeister Kwon, Jae-Hwa, ein direkter Schüler von General Choi Hong Hi ist maßgeblich an der Verbreitung des Taekwon-Do in Deutschland beteiligt.
Als die erste große Spaltung des Taekwondo-Verbandes anstand, distanzierte sich Großmeister Kwon, Jae-Hwa von der “neuen” Wettkampforientierung und gründete in den 80er Jahren seinen eigenen Verband, der der traditionellen Richtung weiterhin treu blieb. Großmeister Kwon unterrichtete Frau Sigrid Kraft über viele Jahre hinweg und gab auch in den Schulen Dresden und Pirna Lehrgänge mit bundesweiter Beteiligung.
Steht in den wettkampforientierten Richtungen der sportliche Aspekt im Vordergrund, so verstehen sich die traditionellen Richtungen mehr als ein lebenslanger Weg, bei dem der Schüler neben körperlichen Aspekten auch eine geistige Reife erlangen sollte. Die unterschiedlichen Schreibweisen Taekwondo (Wettkampfrichtungen) und Taekwon-Do oder TaekwonDo (traditionelle Richtungen) sind ein erster Hinweis darauf, was in den einzelnen Übungsstätten gelehrt wird.

Taekwon-Do Center Dresden

Am 01.08.1998 eröffnete Großmeisterin Sigrid Kraft das Taekwon-Do Center Dresden auf der Schandauer Str. 60 in Dresden-Striesen.
Im Jahr 2000 erfolgte die offizielle Anerkennung von  Frau Kraft als Schulleiterin durch Großmeister Kwon, Jae-Hwa.
Der Umzug in die eigenen Räumlichkeiten auf die Altenberger Str. 65 in Dresden-Seidnitz (An der südlichen Grenze zu Striesen) fand dann im Jahr 2008 statt. Bis heute sind in Sachsen mehrere Schulen und Gruppen durch die Arbeit von Frau Kraft hervorgegangen.

HYONG – Formenlaufen

Hyong bedeutet übersetzt Form und besteht aus festgelegten Bewegungsabläufen. Verteidigungstechniken und Gegenangriffe werden gleichermaßen geübt, jedoch beginnt keine Hyong mit einer Angriffstechnik, denn die Kunst soll nur zur Verteidigung und nicht als aggressiver Angriff angewandt werden. Oftmals wird die Hyong auch als Kampf gegen fiktive Angreifer beschrieben, doch das wird der Komplexität dieser Übungsformen nicht gerecht. Durch ihre Schrittmuster, die für Gelehrter, König, Himmel und Erde, und weitere Symboliken stehen, haben sie einen Bezug zur Koreanischen Geschichte.
Auch passt die Erklärung ‚als reiner Kampf gegen fikive Gegner‘ nicht uneingeschränkt zu den Bewegungsmustern. So werden die meisten Techniken (auch die Verteidigungstechniken) nach vorne gelaufen und man findet recht selten rückwärts gerichtete Schritte. Geübt werden viele Techniken oftmals links wie rechts und in den einzelnen Hyongs findet man bestimmte Themen, die intensiver behandelt werden.
Jede Form beginnt und endet am selben Punkt und manche Schrittabfolge ist sicherlich diesem Umstand geschuldet. Auch die vorherrschende Bewegungsrichtung dient wohl eher dem Fluss der Bewegungen, denn einer realen Kampfsituation.
So sollte man die Hyongs vielmehr als eine Vermittlung von Lehrinhalten verstehen.
So
dienen die Formen der Überlieferung von Techniken, denn sie stammen aus einer Zeit, in der Videomitschnitte, wie sie heutzutage überall gemacht werden, noch nicht möglich waren.
Die Hyongs bieten ein umfangreiches Technikrepertoire, aus dem man schöpfen kann.

Das Üben der Formen wird obendrein als Schulung der Konzentration verstanden.

BRUCHTEST (Kyek-Pa)
Unter einem Bruchtest versteht man das Zerschlagen von verschiedensten Bruchtestmaterialien mit bloßen Händen und Füßen.
Als gängigstes Bruchtestmaterial dienen Fichtenbretter in unterschiedlicher Stärke (Für Damen, Herren und Kinder)
Aber auch Ziegelsteine, Ytong, Kieselsteine und andere Materialien kommen als Bruchtestmaterial infrage.
Rein physikalisch gesehen, gelingt der Bruchtest, weil man mit großer Geschwindigkeit auf einen möglichst kleinen Punkt in gerader Linie (90° Grad Winkel) zum Bruchtestmaterial auftrifft. Wichtig ist allerdings auch, dass man vom Gelingen des Bruchtests schon im Voraus überzeugt ist, damit die Kraft ungehindert übertragen werden kann. Zweifelt man, so ist man oftmals nicht schnell genug und der Versuch misslingt.
Im normalen Unterricht wird der Bruchtest sehr selten praktiziert. Denn zunächst muss erst einmal die Technik geübt werden, bis diese soweit beherrscht wird, dass ein Bruchtest überhaupt gelingen kann.
Einen Bruchtest zeigt man vor allem bei Gürtelprüfungen oder auf Vorführungen.
Nahezu jede Schlagtechnik im Taekwon-Do kann als Bruchtest gezeigt werden, wobei unterschiedliche Aspekte im Vordergrund stehen. So zum Beispiel; hohe Schlagkraft bei Ellbogenstoß oder Seitwärzfußtritt (Yop-Chagi),Schnelligkeit durch freigehaltene oder geworfene Bretter, Zielgenauigkeit bei Keilbruchtests (Man treibt einen Holzkeil durch ein anderes Brett), Koordination in Sprungtechniken z.B. Drehungen 180°, 360°, 540°, 720° mit Ferse, Fußballen oder Handtechniken ausgeführt, Spezialbruchtests wie lange Faust, Fingerspitze, Daumengelenk, mit verbundenen Augen oder Doppelbruchtests; Integriert man den Bruchtest in eine Bewegungsabfolge, so verlangt dies eine höhere Konzentration, ebenso wie beim Reihenbruchtest, bei dem man schnell hintereinander mehrere einzelne Bretter zerschlägt.

Weil man keine Zweifel am Gelingen haben darf, gilt der Bruchtest auch als Gradmesser der Willensstärke.

Freikampf (Tae-ryon)

Der freie Kampf wird im traditionellen Taekwon-Do ohne Kontakt ausgetragen, wobei die Techniken kurz vor dem Ziel abgestoppt oder vorbeigeführt werden. Dies erfordert eine große Körperkontrolle, weswegen der Kampf erst ab dem grünen Gürtel ins Übungsprogramm mit eingebaut wird.
Weil kein Kontakt erlaubt ist, wird auch auf das Tragen von Schutzwesten verzichtet.
Die Kampfregeln erlauben Fußtechniken zum Kopf und Fauststöße zur Körpermitte. Die Körperrückseite darf nicht angegriffen werden.
Punkte werden gezählt, wenn die Technik durch die Abwehr des Gegners hindurchkommt und kurz vor dem Ziel abgestoppt wird.

Der freie Kampf ist neben Gymnastik, Formenlaufen, Bruchtest und Partnerübungen ein weiteres Übungselement des Taekwon-Do. Es schult das Distanzgefühl, die Reaktion und erlaubt eine freie, der Situation angepasste Technikauswahl. Somit steht der Taeryon im Taekwon-Do für die Kreativität

Der Freikampf ist nicht mit der reinen Selbstverteidigung – dem Hosinsul zu verwechseln.
Für die Selbstverteidigung werden etliche Techniken geübt, die im Freikampf viel zu gefährlich wären. Die Selbstverteidigung dient dem Überleben im Ernstfall und unterliegt in solch einer bedrohlichen Situation keinen technischen Regeln. Einen ernsten Kampf kann man niemals realistisch üben, ohne schwere Verletzungen zu riskieren

Selbstverteidigung Ho-Sin-Sul

Durch das Üben von Abwehr- und Angriffstechniken lernt der Schüler mit der Zeit sich gegen Angreifer zu wehren. Auch werden Hebel- und Befreiungstechniken gelehrt, wohingegen Fallschule und Bodenkampf kein Bestandteil des Taekwon-Do sind. Der Taekwon-Do Kämpfer hat seine größte Stärke in den Beintechniken, die auch sehr intensiv trainiert wird. Deswegen ist er auch überwiegend ein Distanzkämpfer, der darauf bedacht ist, seinen Gegner nicht allzu nahe an sich herankommen zu lassen.
Gut ausgeführte Tritte und Schläge haben eine große Durchschlagskraft und anders als im Freikampf (siehe oben) werden diese im Ernstfall nicht abgestoppt. Darüberhinaus werden auch sehr gefährliche Techniken wie Angriffe auf den Kehlkopf, die Augen… u.s.w. geübt, was gerade für schwächere Personen im Verteidigungsfall den entscheidenden Vorteil bringen kann.
Kurzum, wer Taekwon-Do ernsthaft betreibt, erlernt eine effektive Selbstverteidigung.

Gymnasitk (Che-So)

Ein wichtiger Bestandteil des täglichen Trainings ist die umfassende Gymnastik. Durch sie wird die Kräftigung des Körpers ebenso wie die Erhöhung der Geschmeidigkeit bezweckt. Meist beginnt die Stunde mit einer allgemeinen Erwärmung, um sich auf die hohen und schnellen Kicktechniken vorzubereiten. Doch auch zwischen den einzelnen Übungen wird immer wieder Gymnastik gemacht. Durch diese Ausgewogenheit erreicht man große technische Verbesserungen bei den Aktiven aber auch die bessere Wahrnehmung des eigenen Körpers.

Koreanische Zahlen

Im Koreanischen gibt es zwei unterschiedliche Zahlensysteme, die auch heute noch parallel im Gebrauch sind.
Die Zahlen HANA, DUL SET, NET… werden als koreanische Zahlen bezeichnet und gehen von 0 – 99. Sie werden vor allem bei Aufzählungen verwendet, wohingegen die sinokoreanische Zahlen IL, I, SAM, SA… hauptsächlich bei Rechenaufgaben und der Währung im Gebrauch sind. Sie stammen ursprünglich aus dem Chinesischen.
Eine kuriose Ausnahme stellt die Zeitangabe dar. Dort werden die Stunden mit HANA, DUL… angegeben und Minuten sowie Sekunden mit IL, I, SAM, SA… (1:30 Uhr = Han-Shi Sam-Ship Pun)

Auch im Taekwon-Do haben beide Zahlensysteme ihre Relevanz. Die Dangrade zählt man mit den sinokoreanischen Zahlen (sam-dan = 4. Dan), wohingegen man die Wiederholungen bei den Übungseinheiten mit den koreanischen Zahlen zählt

Im Taekwon-Do wird folgendermaßen gezählt:

1 = Ha-na
2 = Dul
3 = Set
4 = Net
5 = Da-Sot
6 = Yu-Sut
7 = Il-Kop
8 = Yu-Dul
9 = A-Hop
10 = Yul